Jetzt aber mal langsam

Irgendwie geht das hier alles zu schnell. Oder eher zu langsam. Viel zu selten poste ich mal einen viel zu großen Haufen Bilder mit wenig aussagekräftigem Gefasel und keiner weiß, was ich damit meine und wer ich überhaupt bin.

Das kann man aber ändern.

Ich bin der Mann mit Kamera. Was kann man sich fast denken. Ich bin Softwareentwickler aus Karlsruhe. Davon gibt es ja nun nicht gerade wenige. Und Väter gibt es in dieser Gruppe von Menschen auch einige.

Als Kind hat mir mein eigener Vater eine Agfa Retina IV in die Hand gedrückt und mich einen Film einlegen lassen. Nach ein paar Versuchen und vielen Fehlschlägen habe ich das Ganze sein gelassen. Abgesehen von ein wenig Geldverschwendung in Form einer Kompakten und Bridgekamera einige Jahre später, habe ich das Thema Fotografie auf sich beruhen lassen. Mit der Geburt meines ersten Kindes habe ich dazu zurück gefunden. Versuche, Fehlschläge, das Muster ist bekannt. Es macht Spaß, die Ergebnisse kommen bei einigen an.

Aber was bringt es mir, wenn die Bildern anderen gefallen? Was will ich eigentlich von meinem Bildern?

Bis zur Geburt meines zweiten Kindes habe ich festgestellt, dass ich gerne Momente dokumentiere. Dinge genau so festhalte, wie sie sich der Welt präsentieren. Und manchmal auch einfach nur so, wie ich sie sehe. Und ich glaube, das kann ich noch immer nicht so gut, wie ich will.

Also versuche ich einfach mal folgendes: Ich schreibe keine Blogartikel mehr mit 20-30 Bildern, die nur mit spärlichem Kontext versehen sind. Ich poste ein Bild, das ich besprechen möchte und beschreibe, warum es mir gefällt. In der Beschreibung erlaube ich mir hin und wieder ein paar weitere Bilder im gleichen Kontext. Hauptsache ich finde heraus, warum mir das Beitragsbild gefällt.

Alles kapiert? Na dann fangen wir an!

 

Das aktuelle Beitragsbild gefällt mir in erster Linie, weil ich drauf zu sehen bin. Muss ja auch mal sein. Und dann auch noch im Anzug. Ich komme gerade von einem Bewerbungsgespräch und bin ziemlich aufgedreht. Ich bin am Europaplatz in Karlsruhe, um mich herum spannende Baustellen, haufenweise Menschen und ich habe keine bessere Idee als so einen Klappspaten im Schaufenster zu fotografieren.

Aber es gefällt mir. Ich mag starke Kontraste. Das Bild ist mit meiner Nikon F301 durch ein Nikkor 50mm 1.8D auf Agfa APX 100 geschossen worden. Leider unterbelichtet und in Lightroom gerettet. Daher sind die Schaufenster ausgebrannt und die Postgalerie und der Bagger im Hintergrund kaum zu erkennen. Aber das ist nicht wichtig und eigentlich auch genau richtig. Das Motiv ist als Kontrast zum Umfeld fast zu dunkel. Es sieht aus, als würde man aus dem Café heraus auf den Fotografen gucken, der sich vor einer Säule versteckt (sic!). Nichts lenkt von ihm ab, die wenigen vorhandenen Linien kreuzen sich direkt an seinem Kopf. Und doch muss man erst einmal hingucken, um zu sehen, was da passiert. Um zu sehen, was der Kerl da vor hat. Und in all dem Trubel in der Karlsruher Innenstadt, nach dem aufregenden Gespräch und in der unerwarteten Sommerhitze, wirk das Bild ruhig, kühl und aufgeräumt.

Der Mann auf dem Bild weiß was er tut. Er hat alles unter Kontrolle.

4 Gedanken zu „Jetzt aber mal langsam“

  1. Schönes Vorwort. Kenn ich. Und schöne Idee mit der Bildbesprechung und deiner Art der „Selbstfindung“.

    Ich glaube, genau der starke Kontrast – du zu dunkel, Hintergrund zu hell – die geringe Dynamic, die geraden Linien und die Symmetrie machen das Bild aus. Vignette und Korn, deine nicht datierbarer Kleidung machen, dass das Bild auch 1950 entstanden sein könnte und man hat den Eindruck, dass man es schon mal irgendwo gesehen hat.

    Also so ging es mir zumindest. Falls das überhaupt interessant ist ;)

  2. Ich meinte das weniger wie „abgeguckt“ als mehr, dass man das Bild als etwas bereits Bekanntes wahrnimmt und deswegen direkt positiver bewertet. Nur um Missverständnisse zu vermeiden. ;)

  3. Ich glaube mir hätte es noch besser gefallen, wenn der Kopf mehr vor dem hellen Fenster gewesen wäre. Harte Kontraste haben was, besonders wenn das Bild einen grafischen fast abstrakten Aufbau hat. Mehr Details haben jedoch auch ihren Reiz.

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