Eigenbau

Karlsruhe. Baustellen. Momentan sind beide Wörter synonym. Und – bitte schlagt mich nicht – irgendwie finde ich das schön.

Ich mag Baustellen. Irgendwie ist entweder immer etwas los, es kann laut sein und geschäftig. Oder aber es sieht so aus, als betrachte man einen seit Jahren verlassenen Ort, den niemand gerne besucht und auf dem unvorstellbare Dinge passieren.
Sind wir mal ehrlich: Kaum jemand kann sich vorstellen, dass über all die leergefegten Autobahnbaustellen jemals wieder ein Auto fahren wird. Aber irgendwann passiert es dann.

Und dann die Technik. Bei manchen Baustellen fragt man sich wochenlang, was dort eigentlich gebaut wird. Warum wird mitten in der Stadt wochenlang nur Beton in die Erde gepumpt? Warum baut jemand eine Brücke neben das zu sanierenden Bauwerk? Die alte steht doch noch? Aber dann: Wo kommt plötzlich die U-Bahn-Haltestelle her? Wer hat die neue Brücke an den Platz der alten verschoben? Baustellen sind wirklich seltsame Orte – für Ottonormalhandwerker.

Vor allem die leeren Baustellen fangen mich immer wieder ein und lassen mich überlegen, was hier wohl noch entstehen wird. Wer hier wohnen wird. Was hier mal gefertigt, diskutiert oder gelehrt werden wird.

Bei diesem Bild reizt mich vor allem die scheinbare Ordnung, die gleichmäßigen Kieshaufen auf der Rechten und das symmetrisch montiere Gerüst in der Mitte. Hier sieht alles so robust und aufgeräumt aus. Ganz so, als wäre lange niemand mehr hier gewesen. Die Farben und der Charakter dieser analogen Aufnahme suggerieren, dass dieser Zustand schon lange anhält. So lange, dass schon längst niemand mehr da ist, den die Baustellen überhaupt interessiert.

Als hätte die Baustelle ihre Erbauer überlebt um alleine weiter zu machen. Im Eigenbau.

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