Durchhänger

Oft tue ich mich schwer damit ein Motiv zu finden. Wer mein Blog aufmerksam verfolgt, wird wissen, dass ich selbst noch feststellen muss, was ich an meinen Fotos eigentlich mag. Also verlasse ich mich oft auf meinen Bauch.

Das Analoge fotografieren hilft mir dabei.

Ich muss genauer darüber nachdenken, was ich eigentlich fotografiere. Ein halbwegs guter Film mit 36 Aufnahmen kostet ja inzwischen genau so viel wie eine Speicherkarte mit mehreren Gigabyte speicher. Außerdem kann man die Aufnahme nicht gleich am Bildschirm kontrollieren, sondern muss alles gleich richtig machen. Einschränkungen können aber auch positiv sein.

Wie oft habe ich mich schon über falsch eingestellte ISO-Werte, Belichtungskorrekturen oder gar den versehentlich aktivierten Manual-Modus geärgert? Dann verschwende ich lieber nicht so oft so viel Zeit und Aufwand an einen Schnappschuss oder die x-te Testaufnahme, sondern denke vor dem Ansetzen noch einen Moment über das Bild nach:

Wohin lenke ich die Aufmerksamkeit? Kann ich irgendwelche Linien nutzen? Springen mir störende Farben an? Erzählt mir das Bild eine Geschichte? Oder will ich das gar nicht?

Oft komme ich dann ganz ohne Bilder nach Hause. Die Motive sind zu langweilig. Oder ich habe mich nicht getraut jemanden um eine Aufnahme zu fragen. Oder sie einfach zu machen. Vielleicht habe ich auch nicht den richtigen Winkel gefunden oder war so lange mit der Komposition unzufrieden, bis sich das Motiv aufgelöst hat.

Manchmal muss ich aber auch nur im richtigen Moment an der richtigen Stelle auftauchen. Noch mal kurz nachdenken, ob es sich lohnt und dann los. Auch, wenn diese Aufnahme digital aufgenommen wurde: Das nachdenken hat sich gelohnt.

6 Gedanken zu „Durchhänger“

  1. Schönes aufgeräumtes Bild, gefällt mir, auch wenn ich den crop des Titelbildes mehr mag als das eigentliche im Portrait. Mag aber daran liegen, dass ich bekanntlich generell Hochkant-Aufnahmen nicht so sehr mag…

    Dein „ohne Bild nach Hause kommen“ erinnert mich an mein „nach der Fototour einfach direkt die Speicherkarte formatieren“ :) und dennoch hat es sich immer gelohnt auf Tour zu gehen…

    1. Mit dem Crop hast du recht. Hmmhmmm.

      Zum Thema Speicherkarte formatieren: Das Backup deiner Bilder auf eine Festplatte zu kopieren, die gar nicht richtig gemountet ist, das ist toll. Vor allem dann, wenn man gerade dabei ist, die einzige Kopie der Bilder der letzten 2 Jahre zu sichern. Und dann die alte Festplatte platt macht.

      NARF.

  2. Ich habe (noch) keine Kinder, da ist das dann sicher was anderes, aber ansonsten hänge ich an meinen alten Bildern eigentlich nicht. Mir reicht es durch meinen Blog zu stöbern, die exportierten 10 besten auf dem iPad und meine Jahreschronik als Erinnerung aus. Ich habe eigentlich noch nie auf meine Archive zugegriffen… hmm… ich seh das alles nicht so eng irgendwie. Mag sein, dass das mit Nachwuchs was anderes ist.

    Meine Speicherkarte hatte ich aber mit voller Absicht formatiert. Ich mag das auf Tour gehen und fotografieren, mit den entstehenden Bildern kann ich aber je nach Tour nichts anfangen und zieh sie daher gar nicht erst auf den Rechner… ^^

  3. Absichtlich formatiert. Ach so meinst du das. das ist natürlich auch interessant. ;)

    Was die Kinderbilder angeht: Einerseits hängt persönlich viel an den Bildern. Es sind dein Kinder. Ich sitze gelegentlich da, blätte die alten Bilder durch und erinnere mich. Es klingt abgedroschen, aber „sie werden halt so schnell groß“! Und man kann halt nicht noch mal zurückgehen und mal die Veränderungen und Entwicklungen erneut durchmachen. ;)

    Wenn und sobald es bei dir mal so weit ist, wirst du es vermutlich besser verstehen.

    Obendrein verstecken sich dort die besten, sprühendsten Portraits, die ich je gemacht habe. Alles Unverfälscht. Kinder halt.

    Andererseits: Die Frau/Großeltern/bla wollen ja auch noch was für ihre Schreibtische/Geldbörsen/Kühlschranktüren und so weiter haben. Und ich sach‘ dir: Meine Frau war schon… etwas… sauer.

    1. Ja, da kann ich das auf voll und ganz nachvollziehen.

      Daher sag ich… immer printen! Mach Jahreschroniken, zu jedem Urlaub n Buch usw… das is a) toll zum blättern und b) das beste Backup. Wenn alle Stricke reißen haste wenigestens noch das.

  4. Das machen wir auch zu jedem Geburtstag. Und aus dem letzten Urlaub habe ich eh überwiegend analoge Fotos mitgebracht – hier siehst du dann eine Ausnahme.

    Da muss man sich nicht erst die Mühe machen Prints zu bestellen. Da kommt man ja nicht drumherum ;)

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